Caritas stärkt Wundversorgung: Sozialstation „St. Raphael“ eröffnet
Versorgung für Menschen mit chronischen und schwer heilenden Wunden
Büren (30.09.2026) - Mit der neuen Sozialstation "St. Raphael" eröffnet die Caritas Büren einen einzigartigen und hochspezialisierten Kompetenzort für die moderne Behandlung von chronischen und schwer heilenden Wunden. Das Team besteht aus Pflegefachkräften mit der Zusatzqualifikation "Wundexperte ICW" (Initiative Chronische Wunden), die eine fachlich fundierte und zugleich einfühlsame Versorgung sicherstellen. "Wir schließen damit eine Versorgungslücke, die für viele Menschen im ländlichen Raum spürbar sein wird", sagt Caritas‑Vorständin Antje Brüggemann.
Die Einrichtung richtet sich an Patientinnen und Patienten, die zum Beispiel nach kurzen Krankenhausaufenthalten oder aufgrund chronischer Erkrankungen eine besonders qualifizierte ambulante Betreuung benötigen. Gerade in Regionen mit weiten Wegen und geringer Arztdichte steigt der Bedarf an spezialisierten Pflegefachkräften deutlich. "Viele ältere Menschen, die etwa an Diabetes oder anderen chronischen Erkrankungen leiden, kämpfen mit verzögerter Wundheilung und benötigen eine engmaschige, fachkundige Begleitung", erklärt Brüggemann. Seit 2022 schreibt zudem der Rahmenvertrag nach §132a SGB V vor, dass Wundversorgung nur noch von Pflegekräften mit entsprechender Zusatzqualifikation durchgeführt und mit den Pflegekassen abgerechnet werden darf. Chronische Wunden beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich - umso wichtiger sei eine professionelle, kontinuierliche Versorgung.
Um eine ganzheitliche und nahtlose Versorgung sicherzustellen, vernetzen sich die Mitarbeitenden der Sozialstation eng mit verschiedenen Fachdisziplinen und Akteuren im Gesundheitswesen. Neben der kontinuierlichen Abstimmung mit den behandelnden Haus- und Fachärzten sowie Krankenhäusern - insbesondere bei Entlassungen aus dem stationären Bereich - arbeitet das Team Hand in Hand mit Apotheken zusammen, um eine reibungslose und zeitgerechte Versorgung mit spezialisierten Verbandstoffen und Medikamenten zu garantieren. "Mir ist es wichtig zu betonen, dass wir Hersteller-unabhängig arbeiten", sagt Beate Tepper, Leiterin von "St. Raphael". Darüber hinaus wird bei Bedarf der Kontakt zu Physiotherapeuten, Sanitätshäusern und weiteren therapeutischen Angeboten hergestellt, um Begleiterscheinungen wie Mobilitätseinschränkungen oder Druckstellen zielgerichtet zu minimieren und den Heilungserfolg optimal zu unterstützen.
Mit "St. Raphael" entsteht ein Kompetenzknotenpunkt, der den steigenden Anforderungen gerecht wird: Der fachliche Austausch im Team wird intensiviert, die Zusammenarbeit mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten gestärkt und die interne Zusatzqualifizierung gezielt gefördert. Ziel ist es, Heilungsprozesse zu beschleunigen und Menschen, die oft über lange Zeiträume an chronischen Wunden leiden, spürbar zu entlasten.
Der Name "St. Raphael" ist bewusst gewählt. In der jüdisch-christlichen Tradition ist Raphael ein Erzengel, der als Schutzpatron der Heilung und der Kranken gilt. "Außerdem bedeutet Raphael ‚Gott heilt‘ - dieser Gedanke begleitet unsere Arbeit jeden Tag", so Brüggemann.
Die Mitarbeitenden versorgen Patientinnen und Patienten direkt zu Hause, verbinden fachliche Expertise mit moderner Ausstattung und viel Einfühlungsvermögen und bleiben an ihrer Seite, bis die Wunde vollständig abgeheilt ist. Alle Maßnahmen werden eng mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten abgestimmt. "Gute Wundversorgung ist Teamarbeit", betont Brüggemann. "Wenn Pflege, Medizin und Angehörige zusammenwirken, verbessern sich Heilungsprozesse deutlich."
Kontakt: Caritas-Sozialstation "St. Raphael", Bahnhofstraße 70, 33142 Büren. Mail: Wundzentrum@caritas-bueren.de
Info-Kasten Chronische Wunden:
Definition und Folgen
Eine chronische Wunde ist eine Gewebeschädigung, die trotz sachgerechter Behandlung innerhalb von vier bis acht Wochen keine Heilungstendenz zeigt oder wiederholt auftritt. Sie ist meist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern die Folge von Grunderkrankungen wie Gefäßleiden (Ulcus cruris / "offenes Bein"), Diabetes mellitus (Diabetisches Fußsyndrom) oder anhaltender Druckbelastung (Dekubitus).
Einfluss auf die betroffene Person
- Körperliche Beschwerden: Ständige Schmerzen, Schlafstörungen, Mobilitätseinschränkungen sowie eine oft starke Geruchs- und Wundwasserbildung (Exsudat) belasten den Alltag massiv.
- Psychische Belastung: Schamgefühl wegen sichtbarer Verbände oder Gerüche führt häufig zu Ängsten, Niedergeschlagenheit und der Sorge vor Komplikationen wie Amputationen.
- Soziale Einschränkungen: Betroffene ziehen sich aus Angst vor Entdeckung oder wegen eingeschränkter Beweglichkeit häufig aus dem gesellschaftlichen Leben zurück, was zu Isolation führen kann.
Kernergebnisse zur Versorgung chronischer Wunden in Deutschland (Quelle: DAK-Versorgungsreport 2024)
- Betroffenenzahl & Prävalenz (Krankheitshäufigkeit in einer bestimmten Gruppe):
- Rund 1 Million Menschen ab 40 Jahren (2,1 Prozent dieser Altersgruppe) waren 2021 wegen einer chronischen Wunde in ärztlicher Behandlung.
- Behandlungsaufwand & Pflege:
- Etwa die Hälfte benötigt besonderen ärztlichen Behandlungsbedarf; 7,9 Prozent werden durch spezifische Fachärzte (u. a. Chirurgie, Dermatologie (Hautheilkunde), Orthopädie) versorgt.
- 33,1 Prozent sind beim Verbandswechsel auf ambulante Pflegedienste (häusliche Krankenpflege) angewiesen.
- 11,0 Prozent werden im Jahresverlauf vollstationär (mit Übernachtung im Krankenhaus) behandelt.
- Dauer & Kosten:
- Die mediane (mittlere) Behandlungsdauer beträgt 130 Tage (bei 14 Prozent der Betroffenen mehr als ein Jahr).
- Die jährlichen Versorgungskosten liegen bei 2.900 Euro pro Person, was hochgerechnet ca. 2,9 Milliarden Euro gesamtwirtschaftlich entspricht.
- Schweregrad & Eingriffe:
- Bei über 13,6 Prozent aller Wundepisoden (Krankheitsverläufe/Behandlungsphasen) erfolgt mindestens ein ausgedehntes chirurgisches Debridement (operative Wundreinigung und Entfernung von abgestorbenem Gewebe).
- Eine Amputation (chirurgische Abtrennung von Körperteilen) erfolgt in 3,2 Prozent aller Fälle - bei komplexen Verläufen mit Ulcus Cruris (Unterschenkelgeschwür / "offenes Bein") und Diabetischem Fußsyndrom (Wund- und Gewebeschädigung am Fuß durch Diabetes) steigt dieser Wert auf über 10 Prozent.